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Heinrich Schütz in Bauerbach: Musikalische Exequien
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Ein "Sonntags um sieben"- Konzert in der evangelischen Kreuzkirche

 

Heinrich Schütz in Bauerbach: Musikalische Exequien

Ein „Sonntags um sieben“-Konzert in der evangelischen KreuzkircheBauerbach ist eine Freude ohne Stress. Jeder kann kommen, ob er viel von Musik weiß oder nichts, denn die Aufführenden oder Moderatoren erklären immer alles. Im Ewigkeitsmonat November erklang ein frühbarockes Meisterwerk aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Heinrich Schütz' Begräbnismesse „Musikalische Exequien“ für Singstimmen und Basso continuo (Generalbass).

Es sang das europaweit auftretende Marburger Oktett, als Basso continuo begleitet von dem Bezirkskantor des Kirchenkreises Kirchhain Peter Groß (Orgel) und Gerd Schiebl (Violoncello). Nach der Begrüßung durch die Kreuzkirchenpfarrerin Berit Hartmann moderierte der Marburger Pfarrer Manfred Holst: Er erzählte, wie aus dem Weißenfelser Gastwirtssohn Heinrich Schütz der bedeutendste deutsche Komponist vor Johann Sebastian Bach wurde und erläuterte die 37-minütige dreiteilige Begräbnismesse für Schütz' Landesherrn

(Heinrich Posthumus Reuß zu Gera): Der Fürst hatte einst Zitate aus Hiob, Psalm 73, Jesaja, den Evangelien nach Lukas und Johannes, dem Römerbrief, der Offenbarung und Lutherschriften für seinen Sarg zusammengestellt, seine Witwe hatte sie dem Komponisten übergeben. Der hatte sie vertont:

Teil I sang das Oktett vor der Gemeinde, begleitet vom Basso continuo.

Schütz hatte den Generalbass in Deutschland eingeführt und mit Luthers Bibeldeutsch vereinigt. Es kam ihm auf die Worte an: Die besonders wichtigen ließ er wiederholen und mit Silbendehnungen und in Schleifen (Melismen) singen. Das setzte  das Oktett herrlich um.

In Teil II verteilten sie sich die Tonkünstler im Kirchenschiff. (Auch das geht auf Schütz zurück.) Sie stellten sich an den Wänden auf und sangen sich wie echoend zu. Das Echo ist etwas typisch Barockes.

Wunderschön war Teil III: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“ stimmten fünf Virtuosen aus Alt, Tenor und Bass zu dezenten Orgel- und Cellotönen vor der Gemeinde an. Sie bekamen Antwort von oben: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“, sangen engelgleich zwei dominierende Soprane und ein Bass von der Orgelempore auf sie herab.

Eingerahmt hatten die Oktettsänger die Exequien mit zwei A-cappella-Werken des Meisters: „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (Ps98) und „Verleih uns Frieden gnädiglich“, eine geistliche Liedstrophe Martin Luthers .

Das war alles so eindringlich, dass sich am Ende keiner zu klatschen traute. Dann gab es aber minutenlang Beifall.  Am Ausgang sagte eine „Stammzuhörerin“ derMusiktage: „Das war das schönste Konzert des Jahres.“