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Ein Dorf legt sich ins Zeug
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Die Gemeinde Warzenbach sammelt in zwei Jahren 114.600 Euo für ihre Kirche

 

Warzenbach. Die Wände waren grau geworden. Die letzte Renovierung der Martin-Luther-Kirche lag jahrzehntelang zurück und so entstand vor fünf Jahren im Kirchenvorstand der Wunsch nach einem neuen Innenanstrich. Doch bevor es ans Streichen oder zumindest ans Abwaschen der grauen Patina ging, wurde durch die Bauberatung der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) der bauliche Zustand des Gebäudes erhoben. Und siehe da, unter dem Grau des Innenraumes kamen erhebliche Schäden zum Vorschein. So wurde aus einer Schönheitsreparatur eine Renovierung und Sanierung des Gebäudes. 

In drei Bauabschnitten wurden das Kirchendach, Turm und Außenfassade instand gesetzt. Die Innenrenovierung musste da bis jetzt zurückstehen. Auch hier wird weitaus mehr zu tun sein, als nur Farbe aufzutragen, erzählt Norbert Janker, Pfarrer der Kirchengemeinde. Notwendig sind: neuer Putz und neue Elektroinstallationen, die Orgel muss gereinigt und saniert werden, der Boden soll überprüft und gegebenenfalls repariert werden. Schließlich ist noch eine kosten- und umweltschonende Heizung unter den Sitzbänken auf die Liste der wünschenswerten Maßnahmen gekommen. Das alles ist notwendig. Aber es kostet viel Geld. Zuviel, als dass die EKKW diesen weiteren Bauabschnitt zeitnah finanzieren würde. Das war dem Kirchenvorstand 2015 klar. 

Sie entschieden sich zu handeln und sich bei der „Stiftung Kirchenerhaltungsfonds“ der EKKW zu bewerben. Dazu war es nötig, als Kirchengemeinde aktiv zu werden und selbst Spenden und Gelder für einen Grundstock zur Renovierung einzuwerben. Der Förderverein Martin-Luther-Kirche Warzenbach e.V. wurde am 24. Juni 2015 gegründet. Und obwohl von nicht wenigen Leuten mit Misstrauen oder Kopfschütteln bedacht, sollte ein kleines Wunder geschehen. Innerhalb von zwei Jahren schaffte es der Verein, rund 75.000 Euro zusammenzubekommen. Am 22. Juni 2017 wurde die Bewerbung durch den Stiftungsvorstand positiv beschieden. Das bedeutete, dass die Gemeinde noch fünf Monate Zeit hatte, weitere Mittel einzuwerben. Am Stichtag sollte dann Kassensturz gemacht werden. Und dann würde die Stiftung diesen Betrag glatt verdoppeln. Als dann am 17. November 2017 gezählt wurde waren insgesamt 114.600 Euro zusammengekommen. Es stehen also fast 230 000 Euro für die Innenrenovierung der Martin-Luther-Kirche zur Verfügung. 

Wie macht das ein Dorf, das gerade mal 500 Einwohner hat, von denen sich 330 zur evangelischen Kirchengemeinde zählen? Helmut Kombächer, der Vorsitzende des Fördervereins, erinnert sich, dass einige das Vorhaben belächelt hätten, doch dann seien die Warzenbacher zusammengerückt. Motto: „Wir können auch was gemeinsam machen“. Die zahlreichen Vereine im Ort und die Selbstständige-Lutherische-Kirche (SELK) stellten sich 

hinter das Projekt. Und auch sie gaben die Erlöse ihrer Veranstaltungen und Feste an die Evangelische Kirchengemeinde. 

Es gab Gottesdienste und Gemeindefeste, Konzerte und Vorträge, Tanzveranstaltungen zum Schauen und Selbermachen, die Erlöse aus Pizza-, Kuchen- und Getränkeverkäufen, Laternenumzüge und Ponyreiten, Haustürsammlungen, Grenzgänge der Jagdgenossen. Es gab Zuwendungen durch Institutionen und Firmen, hessische Lottogelder, Kollekten und viele Einzelspenden, darunter zwei Großspenden über insgesamt 75.000 Euro, und natürlich die Beiträge der 50 Mitglieder im Förderverein. 

Überhaupt der Förderverein. Es ist ein beispielhaftes ehrenamtliches Engagement entstanden. Kosten hat es nicht gegeben, weder Fahrkosten noch Briefmarken noch sonstiges wurden abgerechnet. Alles wurde aus eigener Tasche bezahlt. Der Lohn ist wohl vor allem das Engagement, das die Menschen im Dorf so mitgerissen hat. „In jeder Sitzung wurden neue Ideen geboren.“ erzählt Helmut Kombächer. Und immer mehr Menschen haben sich mit kreativen Köpfen und zupackenden Händen eingebracht. Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt der Menschen in Warzenbach hat sich vertieft. (19.02.2017) 

Bericht und Foto: Karl-Günter Balzer