Veranstaltungskalender

Jun 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
28 29 30 31 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 1
Interview mit Dekan Köhler zur Podiumsdiskussion "Religion - Anlass zur Gewalt oder Beitrag zum Frieden?"
fullsizeoutput38f

Am kommenden Montag findet in der Alfred Wegener-Schule eine Podiumsdiskussion mit VertreterInnen aus Christentum, Judentum und Islam statt. Dekan Hermann Köhler ist überzeugt: "Nur, wenn wir voneinander wissen und lernen und einander zuhören, werden wir eine Alternative zur zunehmenden Gewalt finden."

Herr Dekan Köhler, am kommenden Montag findet in der Alfred-Wegener-Schule eine Podiumsdiskussion zum Thema "Religion - Anlass zur Gewalt oder Beitrag zum Frieden?" statt. Ist es schon ein Beitrag zum Frieden, wenn Menschen verschiedener Religionen miteinander ins Gespräch kommen?

Hermann Köhler: Die Stimmen der Hassprediger werden in unseren Tagen immer lauter, das führt zu Spaltungen in unserer Gesellschaft und auch unter den Religionen. Nur wenn wir voneinander wissen und lernen, von uns erzählen und dem Anderen, auch dem Andersgläubigen, zuhören, ihm in Achtung begegnen, werden wir eine Alternative zur Spaltung und damit auch eine Alternative zur zunehmenden Gewalt finden. Das heißt auch, je mehr ich mir meines  eigenen Glaubens und der eigenen Religion wieder mehr bewusst werde und mich in ihr verwurzele, umso mehr kann ich mich für andere religiöse Erfahrungen öffnen und die Vielfältigkeit annehmen, die unsere heutige Lebenswelt prägt. Religionen können einen entscheidenden Beitrag zum Frieden leisten, wenn sie sich nicht ängstlich voneinander abgrenzen, sondern sich in Respekt voreinander begegnen und auf Grund ihrer Werte  Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Das gilt für alle Religionen, die für Gespräche und Begegnungen bereit sind, nicht aber für Terrororganisationen wie den IS und andere Gruppierungen, die den Gottesnamen für ihre Gewalt missbrauchen.

Sie kennen die TeilnehmerInnen des Religionsgesprächs seit vielen Jahren. Welche Erfahrung haben Sie mit früheren Veranstaltungen dieser Art gemacht?

Hermann Köhler: Im Jahre 2012 kam diese Diskussionsrunde zum ersten Mal in Kassel auf Veranlassung des Evangelischen Forums und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zusammen. Die Idee war, dass junge Angehörige der drei verwandten Religionen Christentum, Judentum und Islam miteinander über ihren Glauben ins Gespräch kommen. Seitdem hat sich dieses Quartett in dieser Zusammensetzung immer wieder zu unterschiedlichen Themen zusammengefunden und miteinander öffentlich diskutiert. Das geschieht unverkrampft, frisch und mit guten Anregungen für die Zuhörenden, über den eigenen Glauben und die Bedeutung von Religion nachzudenken. Und immer waren die Veranstaltungen so angelegt, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer ihre eigene Meinung einbringen konnten.

Sie haben - zusammen mit Vertretern der Alfred-Wegener-Schule - eine Stellungnahme zu der geplanten Veranstaltung verfasst. Was war der Anlass dafür?

Hermann Köhler: Leider gab es im Vorfeld zu dieser Veranstaltung menschenverachtende Pöbeleien auf der Facebook-Seite eines bekannten AFD-Landtagsabgeordneten aus Baden-Württemberg. Die Podiumsteilnehmer und auch die Veranstalter wurden beschimpft und der Vertreter der islamischen Religion wurde wegen seiner Funktion als Beauftragter für interreligiösen Dialog des DITIB Landesverbandes Hessen in übelster Weise herabgewürdigt. Dies möchten wir so nicht stehenlassen.

Was wünschen Sie sich für den kommenden Montagabend?

Hermann Köhler: Ich wünsche mir, dass die Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltung zuhören und sich auch selbst interessiert und kritisch in das Gespräch einbringen. Vor allem wünsche ich mir, dass die Veranstaltung in einer guten Gesprächskultur stattfindet und dass Pöbeleien und Beleidigungen an diesem Abend keinen Platz haben.

(Das Interview mit Dekan Köhler führte Pfarrerin Svenja Neumann)

Hier können Sie die Stellungnahme im Wortlaut lesen:

Stellungnahme des Kirchenkreises Kirchhain und der Alfred-Wegener-Schule zur Veranstaltung am 6. März 2017 in der Alfred Wegener Schule:

Religion – Anlass zur Gewalt oder Beitrag zum Frieden ? Ein jüdisch-christlich-muslimisches Religionsgespräch.

Im Rahmen der Veranstaltungen zum Reformationsjahr 2017 hat der Kirchenkreis Kirchhain eine Veranstaltungsreihe konzipiert.

So wie vor 500 Jahren die Bibel für Martin Luther zur Inspirationsquelle neuer Einsichten wurde, fragen die Veranstalter innerhalb dieser Reihe, welche  Herausforderungen und Fragestellungen sich aus der biblischen Botschaft aktuell in unserer Gesellschaft ergeben. So sind insgesamt 29 Veranstaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unterschiedlichen Zielgruppen im Kirchenkreis Kirchhain entstanden.

Die Podiumsdiskussion in Kooperation mit der Alfred-Wegener-Schule mit Vertretern der drei verwandten Religionen Christentum, Judentum und Islam fragt danach, wie die Religion in der heutigen Gesellschaft einen Beitrag zum Frieden und der Verständigung leisten kann. In der derzeitigen Situation, in der an vielen Orten der Welt religiöse Spannungen und Konflikte auftreten, sehen es die Veranstalter als ein Gebot der Stunde, das Gespräch zwischen den genannten Religionen zu fördern.

Die Bibel selbst gibt uns Zeugnis davon wie u.a. der Apostel Paulus, aber auch Jesus Christus selbst in seiner Zeit das Gespräch über die ureigenen Themen des eigenen Glaubens mit Angehörigen anderer religiösen Überzeugungen geführt hat auf der Suche nach der Wahrheit und mit dem Ziel des Friedens mit Gott und unter den Menschen.

Der Veranstaltungsort Schule und der Rahmen des Religionsunterrichtes ist für eine solche Veranstaltung besonders geeignet.  Die Schule muss nach dem ihr in § 2 des Hessischen Schulgesetzes erteilten Bildungs- und Erziehungsauftrag neben der Vermittlung von Wissen zur Erziehung der Kinder und Jugendlichen beitragen. Schülerinnen und Schüler brauchen in einer immer komplizierteren Welt Hilfen zur Orientierung in ethischen, moralischen und religiösen Fragen. Solche Hilfen zu geben, ist Aufgabe des Unterrichts in allen Fächern. Einen besonderen Beitrag hat dabei der Religionsunterricht zu leisten. In ihm werden die angesprochenen Fragen ausdrücklich gestellt und Antworten auf der Grundlage der Lehren der christlichen Kirchen oder anderer Religionsgemeinschaften gesucht.

Religionsunterricht ist nach Art. 7 Abs. 3 des Grundgesetzes und Art. 57 der Hessischen Verfassung sowie § 8 des Hessischen Schulgesetzes ordentliches Lehrfach. Er wird als bekenntnisorientierter Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der jeweiligen Kirche oder Religionsgemeinschaft erteilt. Neben dem evangelischen und katholischen Religionsunterricht findet an hessischen Schulen auch bekenntnisorientierter Religionsunterricht nach den Grundsätzen des jüdischen und des islamischen Glaubens auf der Grundlage des Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetztes statt. Die beiden islamischen Religionsgemeinschaften DITIB Landesverband Hessen e.V. und Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e.V. erfüllen die Voraussetzungen nach Artikel 7 Absatz 3 Grundgesetz und stehen somit als Kooperationspartner für die Einrichtung von bekenntnisorientiertem Religionsunterricht zur Verfügung.

Mit Blick auf die politischen Entwicklungen in der Türkei, das Verhalten von einigen DITIB-Imamen in Deutschland und die in diesem Zusammenhang geäußerten Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf den Religionsunterricht in Kooperation mit DITIB Hessen hat der hessische Kultusminister  eine Gutachten in Auftrag gegeben, um eine theoretisch denkbare externe staatliche Einflussnahme auf den Unterricht und die Lehrkräfte auszuschließen.

Die Veranstalter gehen davon aus, dass die geplante Podiumsdiskussion in keiner Weise einer „Indoktrination“ einer der drei beteiligten Religionen Vorschub leistet. Sie wenden sich entschieden gegen eine Verunglimpfung der beteiligten Podiumsteilnehmer, die sich seit 2012 in verschiedenen Diskussionsrunden dieser Art für Frieden, Dialog und Antisemitismus eingesetzt haben und in den Veranstaltungen stets dazu beigetragen haben, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer im Hören und im Gespräch sich ein eigenes Urteil über die behandelten Fragen bilden konnten.

Hermann Köhler

Dekan des Kirchenkreises Kirchhain

Matthias Bosse

Schulleiter der Alfred-Wegener Schule

Kirchhain, 28.2.2017