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Alle an einem Tisch
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Der Reformationstruck kommt und der Kirchenkreis Marburg feiert

Von Karl-Günter Balzer

Marburg. Es war die Station Nr. 62 von insgesamt 68 auf dem Europäischen Stationenweg zum Reformationsjubiläum. Der Reformationstruck machte Halt in Marburg an der Elisabethkirche. 28 Tonnen schwer, 16,5 Meter lang und aufgeklappt 8,42 Meter breit stand er auf der Südseite der Elisabethkirche. 15 junge Erwachsene, die als freiwillige Helfer den Truck begleiten, begrüßten auch in Marburg zahlreiche Menschen, die sich auf großen Bildschirmen über die bisherigen Stationen informierten. Am 3. November 2016 war der Sattelschlepper in Genf gestartet, war auf seiner Tour bis nach Dublin in Irland im Westen, nach Sibiu im Osten, in zahlreiche europäische Hauptstädte und vor allem bedeutende Städte der Reformation gekommen. Der Truck wird als Geschichtensammler genutzt. In Filmen und Multimediaformaten werden moderne Reformationsgeschichten gesammelt. So auch in Marburg.

Denn der Kirchenkreis Marburg feierte aus diesem Anlass ein großes Fest an der Nordseite der Elisabethkirche. Aus den Kirchengemeinden in Stadt und Land kamen die Menschen und nahmen Platz an schön gedeckten Tischen. Die Künstlerin Gaby Erne hatte aus Stoffquadraten, die sie in den Gemeinden des Kirchenkreises gesammelt hatte, Tischläufer gefertigt. Ein eindrückliches Bild der Verbundenheit der Gemeinden und Menschen war so entstanden.

„Essen und Trinken – Alle an einem Tisch“ – das war dann auch das Motto des Festes. Bedient von den Pfarrerinnen und Pfarrern des Kirchenkreises wurde gegessen und getrunken. Damit sollten vor allem diejenigen gewürdigt werden, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren. Schön war es natürlich auch für alle anderen.

„Zäune trennen – Tische verbinden“, darauf wies Bischof Prof. Dr. Martin Hein in der Festpredigt hin. Er entdeckte im Altar den Tisch als Kraftzentrum und beklagte, dass die Konfessionen es bis heute nicht schaffen, der Einladung Christi an den einen gemeinsamen Tisch zur Feier des Abendmahls nachzukommen. Hein  erinnerte an die Verhandlungstische im Marburger Religionsgespräch von 1529 und rühmte den Wert von Verhandlungsgesprächen in den Konflikten der Gegenwart.

Es war ein eindrücklicher Gottesdienst, mitgestaltet von Dekan Burkhard zur Nieden und moderiert von Pfarrerin Katja Simon. Sie hatte das Fest federführend mit haupt- und ehrenamtlich tätigen Menschen aus dem Kirchenkreis vorbereitet. Dass es Freude macht, sich ehrenamtlich in der Kirche zu beteiligen, darüber tauschten sich auch die  Menschen an den Tischen aus und davon erzählten einige im Gottesdienst auf der Bühne.

Zwar ging der Blick immer mal zu den dunklen Regenwolken am Himmel, aber während nur einige Kilometer entfernt Starkregen niederging, fielen in Marburg nur einzelne Tropfen. Der gutgelaunten Stimmung tat das keinen Abbruch und so feierten die Besucher bei Flammkuchen und Reformationsbier im Freien. Dabei lauschten sie den grußworten von Marlehn Thieme von der EKD und Stadträtin Kerstin Weinbach von der Stadt Marburg, freuten sich an den mittelalterlichen Liedern von „Wildwuchs“ aus Kirchhain und dem Folk von „Groovy Pike“ aus Kassel. Als dann der Marburger Chor „Joy of Life“ unter der Leitung von Jean Kleeb die Bühne betrat, sprang bei den Gospeln aus Südafrika der musikalische Funken auf das Publikum über. Einen zugleich heiteren und nachdenklichen Schlussakkord bildete der Predigtslam  unter der Leitung von Bo Wimmer. (07.05.2017)

Weitere Infomationen zum Reformationstruck und dem Europäischen Stationenweg auf: www.r2017.org

Bilder und Bericht von Karl-Günter Balzer, kgbalzer.net

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