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1. Kindersynode in Hofgeismar
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Kinder aus der KiTa "Die Arche" in Wohra unter den Teilnehmer*innen

Mehr Freude, frische Luft, Farbe und witzigere Predigten – das sind einige der Forderungen, die Kinder bei der ersten Kindersynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) formuliert haben. Präses Dr. Thomas Dittmann nannte diese Stichworte in einer Bilanz der Kindersynode, die am Tag vor der Synode der Erwachsenen in Hofgeismar stattfand. 80 Kinder waren als Delegationen von neun Kindertagesstätten und zwei evangelischen Grundschulen angereist.

Bunt und fröhlich ging es im Synodalsaal zu. Dort, wo sonst Delegierte an langen Tischreihen sitzen, lagen jetzt Kissen auf dem Boden, es gab Musik und viel Spaß. Doch die Kindersynode ist kein Spiel, sondern sehr ernst gemeint, wie die Verantwortlichen deutlich machten. Es sei wichtig, den Kindern das Wort zu erteilen und ihre Anliegen zu hören, betonte Regine Haber-Seyfarth, Abteilungsleiterin Kindertagesstätten der Diakonie Hessen. Dazu gehöre auch eine Resonanz der Landessynode, der die Anliegen der Kinder vorgelegt werden. Ein Zeichen dafür war auch, dass Bischof Prof. Dr. Martin Hein und Präses Dr. Thomas Dittman zur Kindesynode gekommen waren.

Im Vorfeld hatten die Gruppen in den Kitas und Grundschulen am Gemeindeentdecker-Projekt teilgenommen und ihre Kirchengemeinde vor Ort erkundet, etwa das Kirchengebäude und die Arbeit des Kirchenvorstands, aber auch den Friedhof oder die Kirchenmusik. «Die Kinder haben gemerkt, dass sie eine Stimme haben und gehört werden», sagte Melanie Busch von der Villa Kunterbunt in Hofgeismar. So hatten Kinder der Einrichtung festgestellt, dass die musikalischen Angebote für Kinder erst ab dem Grundschulalter beginnen, nun soll ein neuer Kinderchor entstehen. Außerdem bemängelten sie, dass sie die Hofgeismarer Kirchenglocken zwar hörten, sie aber nicht besichtigen konnten. Ergebnis: Es wurde ein Nachmittag mit Kirchturmbesteigung organisiert.

Oberlandeskirchenrätin Dr. Gudrun Neebe, Bildungsdezernentin der EKKW, betonte die Bedeutung der evangelischen Schulen und Kitas. Sie leisteten viel mehr als religiöse Bildung, etwa indem sie eine Gemeinschaft auf christlichem Fundament böten. Außerdem seien sie Orte der sozialen Gerechtigkeit: «In unseren Kitas begegnen sich alle Milieus.» Daher sei für sie ganz klar, dass gerade auch in sozialen Brennpunkten evangelische Kitas bestehen müssten und keinesfalls aufgegeben werden dürften. 

Bischof Hein nutzte die Gelegenheit unter anderem, um mit einer Grundschülerin über Füllfederhalter zu fachsimpeln, wie er im Pressegespräch erzählte. Es sei aber auch um die Lieblingsfächer des Mädchens gegangen, unter anderem war das Mathematik – was der Bischof in seiner Schulzeit ganz anders empfunden hatte, wie er gestand. Hein freute sich über die Ernsthaftigkeit, mit der die Kinder in Hofgeismar bei der Sache waren. Als ein Kind das Mädchen aus dem Gespräch wegholen wollte, habe dieses entgegnet: «Nein, ich spreche gerade mit dem Bischof.»

Als sichtbares Zeichen ließen die 80 Kinder zum Ende der Synode bunte Luftballons in den Himmel über Hofgeismar aufsteigen, bevor eine Andacht und die Heimreise den Synodaltag beschlossen.

Eine weitere Kindersynode ist derzeit nicht in Planung, es werde aber über ähnliche Konzepte auf Kirchenkreis-Ebene nachgedacht, sagte Haber-Seyfarth. Die letzte Kindersynode solle es jedoch nicht sein, erklärte Dezernentin Neebe. Zunächst werde aber etwas anderes vorbereitet: eine Jugendsynode. Für diese wird sicherlich analog das gelten, was der Bischof für die Jüngsten so formuliert hat: «Man muss Kinder ernst nehmen, aber Kinder auch Kinder sein lassen.» 

Stichwort: «Erste Kindersynode»

Zu der eintägigen Kindersynode kamen rund 80 Kinder aus neun Kindertagesstätten und zwei evangelischen Grundschulen aus einem Gebiet von Nidderau über Marburg bis Schmalkalden zusammen. Sie präsentierten in Video-Clips, was ihnen in ihren Kirchengemeinden aufgefallen war: Orte, die ihnen offenstehen oder die sie kennenlernen wollen vom Jugendzentrum bis zum Friedhof, vom Kirchenvorstand bis zur Tafel. Die Vorschläge, die sie einbrachten, reichten vom Abendmahlsgottesdienst für Kinder über bunte Kirchen mit vielen Pflanzen bis hin zur Mitarbeit am Gemeindebrief als Kinderreporter.

Die Kindersynode ist eine Initiative des Bildungsdezernats der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Diakonie Hessen (Abteilung Kindertageseinrichtungen) und des Verbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder in Kurhessen-Waldeck e.V.

Hier geht es zu den Filmbeiträgen, unter denen auch die KiTa "Die Arche" in Wohra zu sehen ist.

Foto: mediotv/schauderna Text: mediotv/dellit