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Bach 333
schlussverbeugung

Bachkonzert in Bauerbach

In Kirchen erklingt Musik. Besonders abwechslungsreiche gibt es seit 2016 in der evangelischen Kreuzkirche Bauerbach. Beliebte Künstler treten auf. Der für dieses Jahr vorletzte Musikabend war ein Orchesterkonzert am 21.10. Elf Streicher wirkten mit, zwei Bläser, zwei Cembalisten und eine Sängerin:

Das Orchester war die Camerata Marburg. Im Kirchenkreis Kirchhain wirkt sie seit 1999 im Kirchhainer Adventskonzert mit. Ihr Leiter ist Matthias Friederich, seit 1980 1. Oboist am Philharmonischen Or- chester Heidelberg. Er spielte Oboe und dirigierte vier Werke.

Auch der Bezirkskantor des Kirchenkreises Kirchhain Peter Groß spielte, nämlich Cembalo. Zusam- men mit Dekan Hermann Köhler hatte er die Bauerbacher Musiktage ins Leben gerufen. Und er di- rigierte die Bachkantate für Solosopran.

Die Sopranistin war Marion Clausen: Sie singt Bach-, Händel- und Mozartarien, Kunstlieder und Broadway-Evergreens: Ihre Gesangsausbildung erhielt sie u.a. von Professor Charlotte Lehmann, der Lehrerin des Star-Baritons Thomas Quasthoff.

Das Konzert hieß Bach 333; denn Johann Sebastian Bach wurde vor 333 Jahren geboren: 1685. Fünf Bach-Werke waren zu hören, drei von Johann Sebastians Söhnen:

Den Auftakt machte die Camerata“ mit Wilhelm Friedemanns Adagio und Fuge“ für Flöte, Oboe und Orchester. Des Weiteren intonierte sie Un poco Andante“ für Flöte und Orchester von Carl Philipp Emanuel: Er war Cembalist in der Kapelle Friedrichs des Großen und komponierte im empfindsamen Stil. Von Johann Christian, dem katholischen Bach, spielte die Camerata“ das Menuett aus der 2. Londoner Sinfonietta für Streichorchester.

Aber im Mittelpunkt stand Johann Sebastian Bach selber: Von ihm präsentierte die Camerata“ das 5. Brandenburgische Konzert in D-Dur für Solocembalo, Querflöte, Violine und Streichorchester. Bach hatte es spätestens 1721 komponiert. Es dauert gut 20 Minuten und besteht aus drei Sätzen.

Der erste Satz gehört dem Cembalo und der Querflöte. Das gibt ihm etwas Filigranes. Das Cembalo spielte Peter Groß, die Querflöte Andrea Rüppel. Ein Cembalo klingt ein wenig wie eine Gitarre mit Tasten: Sein Spieltempo stieg stetig an und klang wie rollende, wirbelnde Räder. Das passt in unsere heutige Zeit, die sehr schnelllebig ist.

Der zweite Satz hatte durch seine Dehnungen der Flöten- und der Streicherklänge etwas Meditatives.

In allen vier Instrumentalwerken war es schön zu erleben, wie harmonisch die Orchestermitglieder zusammenwirkten. Wunderschön waren die Geigensoli von Karin Schmidt.

Kirchenmusik ist aber vor allem Wort- und Instrumentalmusik und so war der Höhepunkt des Musikabends die Kantate Jauchzet Gott in allen Landen“ für Solosopran, C-Trompete, 1. und 2. Violine, Viola und Basso continuo: Fünf Sätze umfasst sie und 20 Minuten dauert sie. Bach hat sie vermutlich 1730 komponiert. Kantor Groß dirigierte. Martin Kaiser spielte den Generalbass am Cembalo und Matthias Friederich die Oboe.

Die Kantatenlieder sind reich an Vers- und Wortwiederholungen, Silbendehnungen und Verzierungen. Auf diese Weise betonte der Komponist die besonders wichtigen Aussagen. Aber er unterstrich sie auch dadurch in ihrer Bedeutsamkeit, dass er ihnen längere Instrumentalpassagen folgen ließ.

Marion Clausen sang wie immer brillant. Ihr Vortrag war ausdrucksstark und warmherzig, besonders in Sei Lob und Preis mit Ehren“ aus Nun lob, mein Seel, denn Herren, einem Choral aus der Lutherzeit. Jubilierend intonierte sie die Eingangsarie Jauchzet Gott in allen Landen. Hymnisch sang sie das Schluss-Alleluja“ .Sie erntete lebhaften Applaus.

Ihn hatte es übrigens nach jedem Satz gegeben und besonders anhaltend am Ende des Konzerts. Durch dieses erläuternd hindurchgeführt hatte Andrea Rüppel (Querflöte).

Begrüßt hatte Pfarrerin Berit Hartmann die Zuhörer. Und Kantor Groß verabschiedete sie, indem er auf den letzten Musikabend 2018 hinwies. Er wird am 11. November sein und seine Zuhörer finden, denn die Bauerbacher Musiktage haben ihre treuen Fans. So hatten sich trotz gewaltiger musikalischer Konkurrenz in Marburg fast 60 Musikfreunde in der Kreuzkirche versammelt und dem fast 80-minütigen Konzert gelauscht.

Text und Foto: Silke Leich